Bausteine von Community Care
Zentrale Anlaufstelle („Hilfelotse“) und Treffpunkt für Ältere
Die zentrale Komponente der altenfreundlichen Gestaltung eines Wohnquartiers ist eine zentrale Anlaufstelle, die sich grundsätzlich erst einmal für Alles zuständig fühlt, d.h. jeden Unterstützungsbedarf erfasst, bei Bedarf weitervermittelt und jeden eingeleiteten Prozess bis zur Lösung im Auge behält und begleitet. Es kann sinnvoll sein, dass diese Anlaufstelle an eine bestehende Nachbarschaftseinrichtung „angedockt“ wird, wenn dort entsprechendes Interesse besteht und Kompetenzen vorhanden sind. Bei Vorhandensein geeigneter Räumlichkeiten kann diese aber auch genauso gut "im Quartier" neu geschaffen werden.
Die Anlaufstelle muss auf jeden Fall folgende Bedingungen erfüllen:
- wohnortnah angelegt sein, so dass sie von Ratsuchenden, Nachbarn und Angehörigen schnell erreicht werden kann
- Vertrautheit ausstrahlen und Sicherheit vermittelen
- niedrigschwellig sein, d.h. auch von Menschen in Anspruch genommen werden kann, die keine speziellen Zugangsvoraussetzungen haben.
Die Nachbarschaftseinrichtung ist als quartiersbezogener Treffpunkt besonders für mobilitätseingeschränkte Menschen eine Möglichkeit, „unter Menschen zu kommen“. Die Einrichtung muss sich auf die besonderen Bedürfnisse dieser älteren Menschen einstellen und in ihrer Öffentlichkeitsarbeit um diese Besuchergruppe besonders werben, um ihrer neuen Zusatzfunktion gerecht zu werden. Die Gestaltung von „Events“, die der Einbeziehung dieser Zielgruppe in nachbarschaftliche Bezüge dienen, ist ein wichtiger Bestandteil der „Werbestrategie“. Solche Veranstaltungen, die neben ihrer Funktion als Kommunikationsgelegenheit auch als Frühwarnsystem für sich anbahnende Problemlagen genutzt werden können, brauchen eine sorgfältige Planung und eine durchdachte Transportlogistik. Freunde alter Menschen e.V. können ihre langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet einbringen und bringen gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Verlauf des Vorhabens mit.
Zusammengefasst übernimmt die Anlaufstelle folgende Funktionen:
- Koordinierungsstelle für Unterstützungs- und Sorgebedarf
- Grundsätzliche Zuständigkeit „für Alles“
- Kommunikationsort für alle Menschen im Wohnumfeld
- Stützpunkt für beteiligte (Pflege-)Dienstleister
- Während der Dienstzeiten Zielort für Notrufe, eventuell Schlüsseldepot
- Koordinierungsstelle für freiwillige (nachbarschaftliche) Hilfeleistungen
Einbindung/Einsiedlung von Services
Die Fortführung eines autonomen Daseins in der eigenen Wohnung scheitert bei vielen älteren Menschen an der Nicht-Erreichbarkeit alltäglicher Dienstleistungen.
Ob Einkauf, Wäschepflege oder notwendige Behördengänge: es sind häufig die „Kleinigkeiten“, die in ihrer Summe den Entschluss zum Verlassen des vertrauten Wohnumfeldes herbeiführen.
Eine bewährte Strategie, diesen Prozess zu verhindern oder zumindest zu verzögern, ist die Einbindung verschiedenster Services, die die benötigten Leistungen am Wohnort erbringen. Beispiele hierfür sind:
- Einkaufsdienste, Wäscheservice etc.
- Vermittlung von Reinigungskräften (evtl. als bezahlte Nachbarschaftshilfe)
- Behördensprechstunden vor Ort
- Begleit- und Rollstuhlschiebedienste
- Handwerkerdienste
- Umzugshilfen ( z. B. bei Wohnungstausch)
- Ambulante Pflegedienste (bei Bedarf)
Etablierung/Intensivierung von Nachbarschaftshilfe
Grundsätzlich gilt: Nachbarschaft ist besser als ihr Ruf!
Die Erfahrungen mit nachbarschaftlichen Unterstützungsleistungen zeigen, dass die Bereitschaft zur Hilfeleistung zunimmt, wenn die Last der Verantwortung überschaubar bleibt und im Hintergrund eine Instanz zur Verfügung steht, die mit Rat und Tat die Nachbarschaftshilfe koordiniert und unterstützt.
Nachbarschaftshilfe kann und will nicht Dienstleistungen ersetzen, ist aber häufig eine wichtige Ergänzung um Vertrautheit und Sicherheitsgefühl bei alten Mietern zu erhalten.
Neben der vollständig freiwilligen und unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe kann es auch kleine nachbarschaftliche Hilfeleistungen geben, „die sich auszahlen“; sei es, dass einzelne Hilfen (z.B. Wohnungsreinigung) mit Geld honoriert werden oder dass eine Leistung eine Gegenleistung (z.B. Baby - Sitting) nach sich zieht. Hier ergänzen sich der Wunsch der älteren Mitbürger nach sinnvoller Tätigkeit („gebraucht werden“) und dem Wunsch junger Familien nach einem zuverlässigen Menschen zum Hüten von Kind, Wohnung oder Haustier.
Wohnraumanpassung
Eine funktionsgerechte Wohnung kann entscheidend zur Autonomie und damit zum Verbleib in derselben beitragen.
Die Anlaufstelle braucht Kompetenz auf diesem Feld, um über die richtigen Maßnahmen beraten zu können und als Schnittstelle zu möglichen Kostenträgern zu fungieren. Es geht darum, im Interesse aller Beteiligten, den Zeitraum zwischen Planung, Finanzierungsklärung und Realisierung möglichst kurz zu gestalten. Jede dieser Maßnahmen bedarf einer engen Begleitung des betroffenen älteren Menschen, da die Angst vor Schmutz, Lärm und Übervorteilung durch ausführende Handwerker oft sehr groß sind.
Neben möglichen Baumaßnahmen kommen in vielen Fällen verschiedenste technische Hilfsmittel in Betracht, die das Leben für gehandicapte alte Menschen enorm erleichtern können. Vor allem Hausnotrufsysteme und sonstige technische Features, die die Sicherheit verbessern sollen den alten Mietern bekannt gemacht werden.
Für die beteiligte Wohnungsbaugesellschaft haben diese Maßnahmen den Vorteil, dass sie immer den Wohnwert und die Funktionalität (oft auch die Ästhetik) erhöhen und die Gesellschaft selbst keinen Cent kosten. Solche Maßnahmen steigern zudem die Sensibilität für barrierefreies und damit menschenfreundliches Wohnen.
Selbstorganisierte „Care-Units“
In manchen Lebenslagen vermögen selbst alle vorgenannten Maßnahmen nicht den Verbleib eines alten Menschen in der eigenen Wohnung. Vor allem bei demenziellen Erkrankungen (bei denen die Wahrscheinlichkeit bei Hochaltrigen bei ca. 30% liegt!) kommt auch ein gut organisiertes ambulantes Hilfesystem an seine Grenzen.
Um dennoch einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung und das verlassen der vertrauten Nachbarschaft zu vermeiden, werden wir bei Bedarf kleine „Care-Units“ (z.B. Wohngemeinschaften) organisieren, in denen sich eine kleine Gruppe alter Menschen in einer vertrauten Wohnumgebung von ambulanten Diensten rund um die Uhr versorgen lassen kann. Als „Pionier“ dieser Wohnform hat der Verein Freunde alter Menschen im Verbund mit dem Nachbarschaftsheim Schöneberg und anderen Trägern ambulanter Dienste in Berlin hierfür profunde Erfahrungen mit diesem Wohnmodell gemacht.
Wir legen sehr viel Wert auf diesen Baustein, weil erst mit ihm der Wunsch, in der vertrauten Nachbarschaft alt werden (und auch sterben) zu können, Wirklichkeit wird.